Wer kennt das nicht – man reckt und streckt sich, um sich und seine Leistung im Unternehmen gut zu verkaufen und plötzlich zieht ein Kollege/eine Kollegin an einem vorbei. Das sind die Momente, in denen man sich fragt, was man gerade nicht mitbekommen haben hat.

Nachdem man sich wieder „aufgerappelt“ hat, versucht man zu verstehen, was gerade passiert ist. Und nach und nach fügen sich die Puzzleteile zu einem großen Bild zusammen. Da wird dann klar, dass z.B. der Vater des Kollegen regelmäßig Golf mit Ihrem Geschäftsführer spielt oder dass der Kollege und der Geschäftsführer beide Fan des gleichen Fußballvereins sind und am Wochenende oft zusammen zu den Spielen des gemeinsamen Vereins gehen.

Sie hatten also nicht die geringste Chance mit Ihren Leistungen zu punkten, denn gegen Vitamin B kommt Niemand an.

In diesen Augenblicken fragt man sich, wozu denn überhaupt noch anstrengen oder warum kann ich denn keine Beziehungen auf dieser Ebene haben und ein Gefühl von Resignation, Neid und Wut macht sich breit – zumindest wenn man nicht aufpasst.

Schauen wir uns die Situation einmal aus Sicht des Geschäftsführers an

Sein Golfpartner hat ihm moralisch Druck gemacht, seinen Sohnemann zu bevorzugen, obwohl er wahrscheinlich sehr genau gesehen hat, wie Sie sich beruflich engagieren und was Sie draufhaben. Ich könnte mir vorstellen, dass er sich nicht wohl in seiner Haut fühlt, wenn er Ihnen zukünftig auf dem Flur begegnet.

Jedes Wochenende gemeinsam im Stadion jubeln oder weinen macht sich mit einem Mitarbeiter, den man gerade durch Bevorzugung ruhiggestellt hat, einfach angenehmer oder wie sehen Sie das?

Ich stelle mir das ähnlich vor, wie bei Kindern, die man vor die Sesamstrasse setzt, um einfach einmal ein paar Minuten Ruhe haben zu können, wenn gleich man eigentlich wollte, dass die Kinder weniger fernsehen.

Insgesamt doch gar keine so angenehme Lage für den Geschäftsführer, oder?

Wie sieht die Situation aus Sicht des bevorzugten Kollegen aus

Durch die Promotion von Papa zu einer Aufgabe oder einer besseren Position gekommen zu sein fühlt, sich sicher anders an, als es durch eigene Leistung und Engagement erreicht zu haben. Ich denke, da stimmen Sie mir zu. Stellen Sie sich einmal vor, wie es ist, mit diesem Wissen jeden Tag über den Flur des Büros zu laufen und dann am besten noch Ihnen zu begegnen.

Wahrscheinlich wird der Kollege sich die ganze Zeit fragen, ob jeder weiß, dass er es nur durch Vitamin B geschafft hat und er wird alles dafür tun, dass es nie offiziell wird.

Also ich stelle mir das sehr anstrengend vor!

Wie stellt sich die Lage aber aus Ihrem Blickwinkel dar 

Ohne Umschweife – die Lage fühlt sich bescheiden an. Man zweifelt an sich und seinen Leistungen und am liebsten würde man die Brocken hinwerfen.

Doch was ist jetzt zu tun? Offene Konfrontation mit dem Geschäftsführer oder dem bevorzugten Kollegen? Verdeckter Wiederstand und Boykott? Rückzug in den Schmollwinkel und nur noch Dienst nach Vorschrift?

Ich weiß nicht, wie das für Sie klingt. Für mich klingt das ebenfalls sehr anstrengend und ich bin sehr sicher, dass keine dieser Strategien Sie zu Ihrem Ziel bringen wird.

Denn Sie wollten für Ihre Leistungen und Ihren Einsatz gesehen und wertgeschätzt werden. Bringen die aufgeführten Reaktionen Ihnen auf Sicht Anerkennung und Wertschätzung ein oder stellen Sie sich damit doch eher selbst ins Abseits?

Und haben Sie sich schon einmal gefragt, was Sie getan hätten, wenn Sie an der Stelle des bevorzugten Kollegen gewesen wären? Hätten Sie dankend abgelehnt, weil ein anderer es eher verdient hat als Sie selbst?

Ich finde es wichtig, sich diese Fragen zu stellen und dann die richtige Handlungsalternative für sich auszuwählen.

Natürlich schreibe ich diesen Beitrag nicht aus einer theoretischen Anschauung heraus, sondern weil ich diese Situationen aus mehr als einem Unternehmen miterlebt und auch teilweise selbst durchlitten habe.

Meine persönliche Entscheidung war seiner Zeit, mich weiterhin nach bestem Wissen und Gewissen einzubringen und auf eine neue Chance zu warten. Schließlich konnte der Chef nicht ewig den gleichen Kollegen bevorzugen.

Zudem glaubte und glaube ich fest an eine gewisse Gerechtigkeit und Ausgleich im Leben – diese positive Haltung hat mich weitergetragen und tut es bei Rückschlägen noch heute.  So viel kann ich verraten, meine Chance ist gekommen und ich weiß bis heute, dass ich diesen Erfolg keinem  Vitamin B zu verdanken hatte und dieses Gefühl des Stolzes kann einem keiner nehmen!

Ich werde Ihnen also nicht raten, was in solchen Situationen zu tun ist. Ich lade Sie mit diesem Beitrag aber gerne zu einem Perspektivwechsel ein, um dann zu entscheiden, was das Richtige für Sie und Ihre Karriere ist.

Mein Fazit: Wer nach dem Wahlspruch, „Vitamin B schadet nur dem, der es nicht hat“ lebt, darf sich nicht wundern, wenn andere das auch so sehen und man auch einmal den Kürzeren zieht!

 

Blogparade #FortschrittBeziehungen

Dieser Artikel ist Teil der Blogparade „Fortschritt in Beziehungen“, zu der mich Stephan Stockhausen von der Manufaktur für Wachstum aus Bochum eingeladen hat.

A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Dipl. Wirtschaftsjuristin (FH) mit 15 jähriger Erfahrung als Personalmanagerin in diversen Branchen, Heilpraktikerin für Psychotherapie, Entspannungs- und Hypnosetherapeutin sowie zertifizierter Coach. Sie setzt sich mit voller Kraft für die Verbesserung der Arbeitswelt ihrer Klientinnen ein. Dazu zeigt sie "ihren" Frauen in verschiedenen Programmen, wie sie ANDERS arbeiten können: Entlang ihrer Stärken, zufrieden & motiviert.

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