Sinnvolle Kennzahlen im BGM – Unternehmensgesundheit messbar machen

Kann Unternehmensgesundheit überhaupt gemessen werden und wenn ja, welche Kennzahlen können Sie bei diesem Vorhaben unterstützen?

Auf den ersten Blick würde man vielleicht sagen, dass Unternehmensgesundheit eher zu den „weichen“ Themen gehört. Ähnlich den Themen aus der Personalentwicklung wie z.B. Kommunikation oder Coaching. In all diesen weichen Bereiche fällt es zumindest schwer, den Erfolg, und damit ist zumeist der ROI (Return on invest) gemeint, einer Maßnahme darzustellen.

Genau an dieser Stelle beginnt, meines Erachtens, bereits das Dilemma – bei der Definition des Erfolgsbegriffes. Aus Sicht des Finanzers ist ein Erfolg der ROI, für den Personaler mag sich Erfolg  anders definieren und der Mensch, der z.B. eine Personalentwicklungsmaßnahme durchlaufen hat, definiert den Erfolg einer Maßnahme wieder anders.

Auf den zweiten Blick ist Unternehmensgesundheit jedoch gar kein so weiches Thema und es ist durchaus möglich, einige Kennzahlen zu definieren, die ein Indikator dafür sein können, wie es Ihrem Unternehmen geht.

Wobei ich in der Praxis immer wieder feststelle, dass es vielen Unternehmen gar nicht leichtfällt, Kennzahlen für das Thema Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) zu definieren. In der Regel hört die Kreativität bei der AU Quote (Arbeitsunfähigkeits-Quote) schon wieder auf.

Die Krux mit der AU Quote

Die AU Quote für sich genommen, ist schon richtig und wichtig anzuschauen. Allerdings kommt es hier entscheidend darauf an, in welchen Kontext man sie setzt. Schaut man z.B. nach einigen durchgeführten Maßnahmen auf die Entwicklung der AU Quote allein, könnte es schnell zu falschen Rückschlüssen kommen. Denn erfahrungsgemäß sinkt diese Quote, wenn überhaupt, nur über einen längeren Zeitraum. Die AU Quote ist jedoch durch so viele Faktoren beeinflusst, dass es auch sein kann, dass sich über eine lange Zeit überhaupt keine Veränderungen einstellen. Es wäre demnach sehr kurzsichtig, sich in seine Bemühungen nur an dieser einen Zahl zu orientieren.

Zumal es einfach auch Krankheitszeiten- und arten gibt, auf die man als Unternehmen auch bei besten Maßnahmen kaum Einfluss nehmen kann. So ist im Herbst/Winter nun mal Erkältungszeit und der unternehmerische Einfluss auf ernsthafte Krankheiten wie z.B. Krebs geht gegen Null.

Die „Tiefe“ der Zahlen ist entscheidend

Wichtig, neben der absoluten Zahl alleine, ist die Möglichkeit, im Bedarfsfalle tiefer in die Details einsteigen zu können.

Das heißt, dass es möglich sein sollte, Zahlen weiter herunter zu brechen, um eine zukünftige Maßnahme besser auf eine Zielgruppe zuzuschneiden.

Dazu ein Beispiel aus der Praxis: Stelle ich fest, dass in einem Jahr die Krankheitsquote in einem Unternehmensbereich besonders hoch ist, gucke ich mir die Krankheitsarten an. Dann gucke ich mir an, zu welchen Jahreszeiten diese krankheitsbedingten Ausfälle aufgetreten sind. Ich gucke mir auch noch an, welche Berufsgruppe und bei Bedarf auch noch welche Altersgruppe vielleicht besonders betroffen war. In einem aktuellen Fall hatten die hohen Zahlen nichts mit der Jahreszeit zu tun. Es handelte sich um einen Bereich, in dem neuerdings im Schichtsystem gearbeitet wurde und in welchem dazu noch besonders viele ältere Mitarbeiter beschäftigt waren. Daraus konnte eine gezielte Maßnahme für ältere Schichtmitarbeiter abgeleitet werden, die bei der reinen Betrachtung der AU Quote für diesen Bereich alleine nicht hätte abgeleitet werden können. Hier war also die Möglichkeit der tieferen Analyse gegeben und angezeigt.

Der Zahlenmix macht den Unterscheid

Ich persönlich bin eigentlich überhaupt kein Zahlenmensch. Ich habe aber akzeptiert, dass bestimmte Entscheidungen auch mit Zahlen unterfüttert werden müssen und dies auch sinnvoll sein kann. Dann aber auch mit einem möglichst breiten Spektrum an Zahlenmaterial.

Im BGM Kontext ziehe ich gerne Zahlen zu Rate die bereits für andere Zwecke vorgehalten werden und nicht speziell für das BGM Controlling erhoben werden müssen. Deshalb spreche auch nicht mehr „nur“ von BGM sondern von Unternehmensgesundheit, da hier sehr viel mehr Aspekte beinhaltet sind.

In einem Fall gab es z.B. regelmäßige Mitarbeiterbefragungen zur Zufriedenheit. Die Betrachtung der Zufriedenheitsquote macht besonders bei und nach der Einführung eines BGM durchaus Sinn.

In einem anderen Fall hat ein Unternehmen bisher nie seine Fluktuationsrate gemessen. Damit zu beginnen und zu beobachten, wie sich diese Rate bei und nach einer Einführung eines BGM verändert, könnte ebenfalls spannende Aspekte sichtbar machen.

Oder was halten Sie z.B. von der Messung Ihrer Gesundheitsquote? Die Gesundheitsquote gibt Aufschluss darüber, wie viele Mitarbeiter unterjährig nie krankheitsbedingt gefehlt haben. Die AU Quote zu senken, bei gleichzeitiger Erhöhung der Gesundheitsquote könnte in Bezug auf Unternehmensgesundheit doch durchaus erstrebenswert sein oder was meinen Sie?

Erfassen Sie Ihre BEM (Betriebliches EingliederungsManagement) Quote? Das ist die Quote, die Aufschluss darüber gibt, wie viele Mitarbeiter das Angebot eines BEM Gespräches annehmen. Gleichzeitig zeigt sie, ob Ihr BEM im Unternehmen noch mit Skepsis beäugt wird oder bereits als Hilfsangebot verstanden wird.

Es gibt noch eine Reihe weitere Kennzahlen, die ich hier anführen könnte.

Fazit

Nicht alle Zahlen machen für jedes Unternehmen Sinn. Schauen Sie, was Ihr Unternehmen benötigt, um zu sinnvollen und vor allem wirkungsvollen Maßnahmen zu kommen. Besprechen Sie offen, was Ihre Unternehmensleitung benötigt, um Vertrauen, auch in weichere Themen, aufbauen zu können. Prüfen Sie, welche Zahlen schon da sind, bisher vielleicht aber noch keine Aufmerksamkeit im Hinblick auf Indikatoren für Ihre Unternehmensgesundheit, bekommen haben.

ROI mag nicht Ihre Definition von Erfolg sein aber wenn es die Definition Ihrer Geschäftsleitung ist, kommen Sie nicht umhin sich damit zu beschäftigen, wie sich der ROI von „weichen“ Themen darstellen läßt.

Dabei wünsche ich Ihnen viel Erfolg und freue mich, wenn ich Ihnen dazu den ein oder anderen Gedankenanstoß geben konnte.

Wie messen Sie bisher den Erfolg Ihrer „weichen“ Themen im Unternehmen? Welche Kennzahlen nutzen Sie für die Steuerung Ihres BGM?

 

 

A. Thranberend

Angélique Thranberend ist Diplom Wirtschaftsjuristin mit 15 jähriger Erfahrung als Personalexpertin in der freien Wirtschaft. Sie setzt sich mit voller Kraft für mehr MENSCHLICHKEIT in der Arbeitswelt ein. Dazu arbeitet sie mit Unternehmen an der Schaffung von gesunden Rahmenbedingungen, die zum Erhalt der Leistungsfähigkeit und Motivation von Mitarbeitenden beitragen. UND sie zeigt Menschen im 1:1 Coaching, wie sie nach einer stressbedingten Erkankung wieder Stabilität in ihr BerufsLEBEN bekommen und einer erneuten Erkrankung nachhaltig vorbeugen.

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